Für wen ist dieser Artikel geeignet?

Du leitest Pen & Paper Rollenspiele wie Dungeons & Dragons oder spielst selbst regelmäßig mit unterschiedlichen Gruppen und kennst die X-Karte im Rollenspiel noch nicht?

Vielleicht leitest du:

  • eine neue D&D-Gruppe,
  • Horror-Abenteuer,
  • Con(vention)-Runden,
  • Online-Sessions
  • oder spielst mit Menschen, die du noch nicht lange kennst?

 

Dann kann die sogenannte X-Karte im Rollenspiel ein interessantes Werkzeug für deinen Spieltisch sein.

Du kennst die X-Karte schon und willst direkt zu den druckbaren Vorlagen?

In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an:

  • was die X-Card überhaupt ist,
  • warum viele Spielleitungen sie nutzen,
  • wie man sie sinnvoll einführt,
  • wo ihre Grenzen liegen
  • und warum sie oft missverstanden wird.

Außerdem findest du am Ende des Artikels meine X-Card für Rollenspiel zum Download kostenlos zum Ausdrucken für deine eigenen Spielrunden.

Was ist die X-Karte?

Die X-Card oder auf deutsch X-Karte ist ein einfaches Safety Tool für Pen & Paper Rollenspiele, das ursprünglich von John Stavropoulos entwickelt wurde.

Im Kern ist die Idee sehr simpel:

Liegt eine Karte mit einem „X“ auf dem Tisch und jemand fühlt sich mit einer Szene oder einem Inhalt unwohl, kann die Person die Karte antippen, hochhalten oder darauf zeigen.

Die Gruppe:

  • überspringt die Szene,
  • verändert den Inhalt
  • oder blendet die Situation aus.

Und das Wichtigste dabei:
Die Person muss nicht erklären warum.

Gerade Pen & Paper Rollenspiele sind improvisiert. Niemand weiß vorher exakt, wie sich eine Szene entwickelt oder welche Ideen spontan am Spieltisch entstehen.

Genau dafür wurde die X-Karte im Rollenspiel entwickelt:
Als einfache Möglichkeit unangenehme Situationen schnell und unkompliziert zu entschärfen.

Warum nutzen Spielgruppen die X-Card?

Rollenspiele leben von Emotionen, Spannung und Kreativität.

Aber genau deshalb können manchmal auch Situationen entstehen, die für einzelne Spielende unangenehm werden.

Das muss nicht einmal etwas Extremes sein.

Viele denken beim Thema „Safety Tools“ sofort an schwere Traumata oder Horror-Themen. In der Praxis sind die Gründe oft deutlich alltäglicher.

Ein paar Beispiele:

  • Spinnen oder Insektenphobien
  • detaillierte Beschreibungen von Verletzungen
  • Gewalt gegen Tiere oder Kinder
  • bestimmte soziale Themen
  • Kontrollverlust
  • klaustrophobische Situationen
  • Rauchen oder Drogen
  • bestimmte Geräusche oder Beschreibungen

 

John Stavropoulos beschreibt in seinen Beispielen sogar Situationen, in denen:

  • Turbulenzen im Flugzeug,
  • Schnee
  • oder ein rauchender NSC
    unangenehme Erinnerungen ausgelöst haben.

Das Entscheidende dabei:
Man kann unmöglich alles vorhersehen.

Und genau deshalb empfinden viele Gruppen die X-Card als hilfreich. Vor allem, wenn sich die beteiligten Personen noch nicht kennen.

Die wichtigste Idee hinter der X-Karte

Interessanterweise ist die eigentliche Karte oft gar nicht das Wichtigste.

Viel wichtiger ist die Botschaft dahinter:

„Die Menschen am Spieltisch sind wichtiger als das Spiel.“

Allein die Einführung der X-Karte im Rollenspiel schafft häufig bereits eine andere Atmosphäre innerhalb der Gruppe.

Sie signalisiert:

  • Wir achten aufeinander.
  • Niemand muss sich rechtfertigen.
  • Kommunikation ist erlaubt.
  • Grenzen dürfen respektiert werden.

Gerade in neuen Gruppen, auf Conventions oder anderen öffentlichen Veranstaltungen kann das enorm hilfreich sein. Da ich selbst regelmäßig Spielrunden für D&D 5e oder seit neustem auch Shadow Dark RPG bei Events unseres Rollenspiel-Vereins in Köln (Pen and Paper Köln e.V.) anbiete, spiele ich meistens mit mir unbekannten Menschen. Hierfür bietet sich die X-Karte hervorragend als Safety Tool für Rollenspielrunden an. Vor allem, weil der Verein viel Wert auf Inklusion, Vielfalt und Wohlfühlen legt.

Wie funktioniert die X-Card in der Praxis?

Die klassische Variante ist sehr einfach.

Die Spielleitung legt zu Beginn eine Karte mit einem X auf den Tisch und erklärt kurz ihre Funktion.

Zum Beispiel:

  • „Falls euch etwas unangenehm wird, tippt einfach auf die Karte.“
  • „Wir ändern die Szene dann einfach.“
  • „Niemand muss erklären warum.“

Das Ganze dauert meistens keine zwei Minuten.

In Online-Runden funktioniert das übrigens ebenfalls problemlos:

  • über ein X im Chat,
  • ein Emoji,
  • Handzeichen
  • oder kurze private Nachrichten.

Da die Spieltische oft voll mit Spielmaterial, Snacks und Getränken sind, mag ich den Gedanken ganz gerne, dass jede Person am Tisch ihre eigene X-Card zur Hand hat. Daher findest du in meiner kostenlosen PDF der X-Karte zum Ausdrucken vier Stück auf einer A4-Seite. 

Auf der Rückseite habe ich die meiner Meinung nach wichtigsten Hinweise zur Nutzung der X-Karte im Rollenspiel zum Nachlesen zusammengefasst. Schließlich prasseln (vor allem beim ersten Mal Spielen) ziemlich viele Informationen auf die Spielenden in neuen Gruppen bzw. auf Events/Conventions ein. Getreu dem Motto: Safety First. Auch beim Erinnern von Informationen. 

X-Karte für Rollenspiel als Safety-Tool für Rollenspiel zum Download auf deutsch druckbar.
Auszug aus der PDF: X-Karte auf deutsch für das Rollenspiel von Der Spielpädagoge

Bedeutet die X-Card weniger kreative Freiheit?

Das ist wahrscheinlich einer der häufigsten Kritikpunkte, auch in der deutschsprachigen Community.

Manche Spielleitungen befürchten:

  • eingeschränkte Kreativität,
  • unterbrochenen Spielfluss
  • oder „ständige Zensur“.

Interessanterweise berichten viele Gruppen genau vom Gegenteil, was auch meiner eigenen zwölfjährigen Erfahrung entspricht.

Denn die X-Karte nimmt Spielleitungen einen großen Teil des Drucks ab, ständig „Gedanken lesen“ zu müssen.

Niemand kann jederzeit wissen:

  • welche Erfahrungen andere gemacht haben,
  • welche Themen schwierig sind
  • oder welche Inhalte heute vielleicht unangenehm wirken.

Die X-Card schafft dafür eine einfache Kommunikationsmöglichkeit. Die Betonung liegt hier auf eine Möglichkeit. 

Dadurch können sich viele Gruppen sogar trauen:

  • emotionaler,
  • düsterer
  • oder intensiver
    zu spielen.

 

Einfach weil klar ist:
Falls etwas zu weit geht, gibt es einen unkomplizierten Weg die Situation anzupassen. Es gibt neben der X-Karte zahlreiche andere Safety Tools für das Rollenspiel. Es ist also für jede Gruppe etwas passendes dabei.

Die X-Karte ersetzt keine Kommunikation

Das ist ein extrem wichtiger Punkt für mich.

Die X-Karte im Rollenspiel ist keine perfekte Lösung für alle sozialen Probleme am Spieltisch.

Sie ersetzt nicht:

  • gute Kommunikation,
  • gegenseitigen Respekt
  • oder eine vernünftige Session Zero.

 

Außerdem funktioniert die X-Card nicht für jede Gruppe gleich gut.

Manche Spielende bevorzugen:

  • direkte Gespräche,
  • Lines & Veils,
  • Open Door Policies
  • oder andere Safety Tools.

Und das ist völlig okay.

Die X-Card ist ein Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Aber manchmal habe ich in (Online-)Diskussionen das Gefühl, dass manche Personen das als Ersatz für gute Kommunikation verstehen und die X-Karte, ferner Safety Tools im Allgemeinen, als „nutzlos“ oder „sinnlos“ abtun.

Wann kann die X-Karte besonders hilfreich sein?

Natürlich braucht nicht jede D&D-Runde zwingend eine X-Card.

Es gibt viele langjährige Gruppen, die offen miteinander kommunizieren und nie Probleme damit hatten.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen die X-Karte besonders sinnvoll sein kann.

Zum Beispiel:

  • neue Spielgruppen
  • Convention-Runden
  • Online-Spielrunden
  • Horror-Kampagnen
  • öffentliche Community-Events
  • Jugendgruppen
  • pädagogische Projekte
  • Gruppen mit fremden Personen

 

Gerade dort kennt man die Grenzen anderer Menschen oft noch nicht besonders gut. 

Typische Missverständnisse zur X-Card

Im folgenden möchte ich ein paar typische Missverständnisse der X-Karte, die meiner Meinung nach existieren, beleuchten. Ich möchte Menschen mit einer vorherrschend defensiven (inneren) Haltung zur X-Karte oder Safety Tools im Allgemeinen einladen noch einmal über die folgenden, vielleicht in ihrem Kopf existierenden, Szenarien nachzudenken.

„Dann darf man ja gar nichts mehr!“

Doch.

Die X-Card bedeutet nicht, dass plötzlich alle düsteren oder schwierigen Themen verschwinden müssen.

Sie schafft lediglich eine Möglichkeit zu sagen:

„Das gerade bitte nicht.“

„Dann muss ich ja ständig Angst haben etwas falsch zu machen.“

Eigentlich eher das Gegenteil.

Die X-Card hilft gerade dabei, Unsicherheiten zu reduzieren.

Denn niemand erwartet von dir perfekte Gedankenleserei. Es wäre meiner Meinung nach schon ein großer Schritt getan, wenn sich jede Person (vor allem die Spielleitung) am Tisch ein wenig Gedanken darüber macht, womit sich jeder am Tisch wohlfühlen könnte oder womit eben nicht. 

„Das ist doch einfach nur gesunder Menschenverstand.“

Teilweise stimmt das sogar.

Aber:
Nicht jede Gruppe kommuniziert automatisch offen.
Nicht jeder Mensch kann spontan Grenzen formulieren oder hat diese eigenen Grenzen bereits kennengelernt. Und jeder Mensch ist (auch und vor allem mit seinen Grenzen) verschieden.
Und nicht jeder möchte persönliche Gründe erklären müssen.

Die X-Karte kann genau dafür eine niedrigschwellige Hilfe sein.

Mein persönlicher Eindruck als Spielleiter und Pädagoge

In meinen eigenen Spielrunden und Projekten habe ich die Erfahrung gemacht, dass gute Kommunikation meistens wichtiger ist als jedes einzelne Regelwerk.

Gerade Pen & Paper Rollenspiele leben davon, dass Menschen gemeinsam kreativ werden.

Und je wohler sich eine Gruppe fühlt, desto leichter entstehen:

  • spannende Geschichten,
  • emotionale Szenen
  • und erinnerungswürdige Abenteuer.

 

Die X-Card ist dabei kein Pflichtwerkzeug.
Aber sie kann für manche Gruppen eine hilfreiche Unterstützung sein.

Vor allem, weil sie eine sehr einfache Botschaft vermittelt:

„Wir sitzen hier gemeinsam am Tisch.“

In meinet privaten D&D Spielrunde nutzen wir beispielsweise auch keine Safety Tools, weil wir uns einerseits schon sehr lange kennen und gut befreundet sind und andererseits darüber abgestimmt haben. Wir pflegen eine offene Kommunikation mit regelmäßigem Feedback und vorherigem Erfragen von potenziellen Grenzüberschreitungen. Hier ein Beispiel aus meiner aktuellen Wüsten-Kampagne:

Die Hintergrundgeschichte des Charakters einer Spielerin steht gerade sehr im Fokus und sie erfuhr jede Menge über ihre Vergangenheit. Da wir in unserer Spielrunde oft eine Form von Co-Creation im Worldbuilding, aber auch für die Hintergrundgeschichten, betreiben, habe ich einige (für sie äußerst tragische und emotionale) Ideen in den Hintergrund des Charakters eingebracht. Bevor ich dies tat, habe ich sie angesprochen, dass ich einige „extreme“ Ideen habe und diese jederzeit komplett revidiert und als „nicht existent“ behandelt werden können. Schließlich geht es einerseits um ihren Charakter und um die damit verbundenen Emotionen.

Kostenlose X-Karte zum Download

Damit du die X-Card direkt in deinen eigenen Spielrunden nutzen kannst, habe ich eine kleine druckbare Version im Traidingcard-Kartenformat erstellt.

Das PDF enthält:

  • eine gestaltete Vorderseite im Fantasy-Stil (in den Farben dunkelblau, dunkelgrün und dunkelrot)
  • eine Rückseite mit kurzer Erklärung
  • Hinweise zur Nutzung
  • Beispiele für den Einsatz am Spieltisch

Zusammenfassung

Die X-Karte ist ein simples, aber interessantes Safety Tool für Pen & Paper Rollenspiele.

Aber, sie:

  • ersetzt keine Kommunikation,
  • ist nicht für jede Gruppe notwendig,
  • kann dabei helfen unangenehme Situationen unkompliziert zu entschärfen.

Besonders bei improvisierten Spielen wie Dungeons & Dragons entstehen Situationen oft spontan.

Und genau dort kann die X-Card eine hilfreiche Ergänzung sein.

Probier sie einfach einmal in deiner eigenen Spielrunde aus und schau gemeinsam mit deiner Gruppe, ob sie für euch sinnvoll ist. Hauptsache ihr seid achtsam miteinander. Wie auch immer ihr das am Ende löst.

Mich würde interessieren:
Hast du bereits Erfahrungen mit Safety Tools oder der X-Karte gemacht?

Schreib es gerne in die Kommentare!

~ Chris | Der Spielpädagoge

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